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Geschichte von Hippelsbach


Die Entstehung der Hippelsbach

Uralte Wege verbanden die Siedlungen der Menschen über Jahrtausende hinweg, bis mit der einsetzenden Technik schwer überwindbare, natürliche Hindernisse beseitigt oder umgangen wurden.
Auch Hippelsbach liegt an solch einem alten Verbindungsweg, der von der Oberrheinischen Tiefebene über die Höhen des Odenwaldes nach Wersau führte, von dort das sumpfige Tal der Gersprenz über einen Knüppeldamm durchquerte und über die Höhen der Haardt nach Groß-Umstadt zog. Von dort aus weiter verlief, um mit dem, zum Spessart auslaufenden Odenwald, den Main zu erreichen.

Ein wunderschön geschliffenes Steinbeil, es wird heute im Landesmuseum Darmstadt aufbewahrt, das bei Telefonkabelverlegungen 1965 in Hippelsbach gefunden wurde, sowie Scherbenfunde am Wingertsberg lassen darauf schließen, dass schon in der späten Steinzeit diese Wegverbindung von Menschen begangen oder der Ort als Lagerstätte benutzt wurde.

Der Nachweis einer "wahrscheinlichen" Besiedlung der Hippelsbach vor dem 30-jährigen Krieg läßt sich bisher, trotz eifriger Forschung in alten Schriften, nicht belegen. Der Name Hippelsbach erscheint zum ersten Mal bei der Beschreibung der Felder des "Bosmans-, Simons- und Wenbächer Hofes zu Biberaw", in einem Salbuch aus dem Jahre 1589. Vor den Beschreibungen einzelner Äcker heißt es da: "Das Feld nach Hepelsbach" - und bezeichnet wahrscheinlich die Flur, der "herrschaftlichen Hecken". Dies waren Äcker, die der Adel an die Bauern verpachtete.

Schon vor dem Jahre 1600 durften die Bauern von Wersau, Bieberau und Brensbach das Feld um Hippelsbach bestellen und wohl mehrere Gründe dürften zu der Besiedlung Hippelsbach geführt haben. Vorrangig lagen die Äcker dann in Hausnähe, sozusagen vor der Haustüre, und man hatte dadurch die langen Anfahrtswege von den drei genannten Gemeinden gespart. - Man möge nur bedenken, wie lange ein Kuhgespann von Groß-Bieberau bei den damaligen Wegeverhältnissen zu den Feldern um Hippelsbach unterwegs war. - Weiterhin profitierte auch die "Herrschaft" von einer Ansiedlung der Bauern, denn gut bestellte Felder versprachen eine größere Ernte und damit einen besseren Zehnten. Letztlich schien auch den Siedlern die Luft in Hippelsbach etwas "freier" und "besser" zu sein, als in der dörflichen Eingebundenheit.


Eine genaue Entstehungs- und Ortsbeschreibung von Hippelsbach erfahren wir erstmals durch Pfarrer Winter. In seiner Chronik um 1860 schreibt er:

"Der Hippelsbacher Hof, oder wie man jetzt richtiger sagt, die Hippelsbach, einer von den Hügeln auf der Haardt, über welche die Römerstraße nach Brensbach zieht, gehört zu Groß-Bieberau, besteht aus 9 Wohnhäusern, wovon jedoch eins auf der Wersauer Grenze steht und daher nicht zur hiesigen Gemarkung gehörend und zählt 43 Seelen. Dieses Nebenörtchen, dessen richtiger Name Hügelsbach ist und der in der verdorbenen Aussprache unserer Maingegend Hübbelsbach lautete, ist auf folgende Art entstanden. In Gefolge der großen Sterblichkeit im Jahre 1635 und der Kriegswesen, blieben viele Fluren, besonders herrschaftliche und zehntpflichtige, lange Zeit unbebaut liegen und bewaldeten sich allmählich. Dies geschah auch auf dem Hundertmorgen und mit den 40 Morgen betragenden "Herrschaftlichen Feld" auf der Hippelsbach. Im Jahre 1760 war hier alles hoher Tannenwald und Kiefern. Im Jahre 1770 wurde die Hippelsbach abgehackt und eine große Menge von Stämmen zum Ausfüllen in die Rechen und Schluchten geschleift."

Damals erhielt als erster Bauer das Feld in Hippelsbach Johann Daniel Vogel aus Groß-Bieberau, der wahrscheinlich auch gleichzeitig der Pächter der "Herrschaftlichen Hofreite" zu Groß-Bieberau war. Er bewohnte nachweislich mit seinen drei Söhnen 1783 drei Hofreiten in Hippelsbach. Daniel Vogel starb 1784 im Alter von 72 Jahren und hinterließ die Söhne Johann Georg Vogel, der 1778 heiratete, Johann Baltasar Vogel, der 1771 heiratete und 1792 im Alter von 54 Jahren verstarb. Vom letzten Sohn, Heinrich Nicolaus, ist lediglich bekannt, dass er 1791 heiratete.

Erstaunlich ist, dass alle Söhne gleichzeitig als gemeinsame Erbbeständer (Erbpächter) genannt wurden, was zu dieser Zeit eigentlich unüblich war. Pfarrer Winter bestätigt dies in seiner Chronik und teilt weiter mit: "...dass das erste jetzt nicht mehr existierende Wohn- oder Hofhaus an der alten Römerstraße 1772 erbaut wurde und später durch Ablösung der Fruchtpacht und Abkauf der Felder in Eigenthum des Johann Daniel Vogel überging. Erbvertheilung, Heirathen und Ankauf von anderweitem Feld, machten die Erbauung anderer Hofraithen nötig und so entstanden bald jene neun sogenannten Hofhäuser mit acht Hausgesäßen, welche zur hiesigen Bürgerschaft gehören und zu den Gesamtgemeindelasten beitragen."



Dass der Weiler die Stadtkasse belastete, geht auch aus einer Notiz im Groß- Bieberauer Gerichtsbuch von 1774 hervor. Dort steht geschrieben: " ... es wurde von Amts wegen dem Vogel in der Hippelsbach ein Weg zu seinem Haus angewiesen und ausgesteint - 10 Schu breit, an der (Hofreite) aber 13-14 Schu breit, der Gemeinde bleibt der Weg".

Auf der Hippelsbach standen also um 1800 lediglich neun Hofreiten. Wie ist man erstaunt, betrachtet man die "Situations Charte" des Artillerie-Leutnants Haas aus dem Jahre 1804.

Von der Mühle, gegenüber dem heutigen Kühlen Grund, steigt ein breiter Weg nach Hippelsbach, ein Hohlweg, der mitten im örtchen in einer breiten Kreuzung mündet. Nach dieser Karte müßten mindestens 30 Häuser in der Ortschaft gestanden haben und Hippelsbach hätte bald annähernd die Größe von Groß-Bieberau erreicht. Daß der Leutnant Haas sich irrte, oder seinen Untergebenen ein Fehler beim Erstellen der Karte unterlaufen war, liegt auf der Hand (siehe Ausschnitt der Haas'schen Karte im Beitrag von Georg Krell).

Die etwas später zwischen 1823 und 1850 angefertigte Karte des "Großherzogthumes Hessen", Teil 6 Erbach, zeigt ebenfalls Hippelsbach mit seiner Hauptstraße. Von der Ortsmitte zweigt jetzt nur noch eine große Straße nach links ab, ins Feld. Im Gegensatz zur Haas'schen Karte stimmt die Relation der Häuser wieder und ist auf den richtigen Stand von 9 Hofreiten geschrumpft.

Wie wir schon wissen, stammt der Name Hippelsbach von Hügelsbach ab. Die erste Silbe des Wortes ist eindeutig. Sie leitet sich von Hügel ab. Aber wo fließt in Hippelsbach der Bach, wo es doch von Beginn an ständig an Wasser mangelte? Dazu gibt es zwei Theorien. Erstens, das Wort Bach steht nicht in Beziehung zu "kleinem Fluss", sondern es leitet sich durch den Dialekt von dem Wort Busch her. Die Flur wurde ja auch früher als die "Herrschaftlichen Hecken" oder "Büsche" bezeichnet. Zweitens, und dies ist wahrscheinlicher, leitet sich das Wort "bach" vom mittelhochdeutschen Wort "buochach" oder "buoch" ab, was soviel bedeutet wie Buchenwald oder Waldung allgemein. Ähnlich wie Hippelsbach benennt man auch die Höhe auf der die Heuneburg steht als "die Kernbach", wo es ebenfalls keine Quelle oder einen Bach gibt.

Nun fehlt noch die Bedeutung des Wortes Weiler. Der Brockhaus beschreibt einen Weiler als die ländliche Siedlungsform von einzelnen Gehöften, die einer Gemeinde zugehören. Das Wort selbst hat seinen Stamm in dem lateinischen Wort villa, das gleichzusetzen ist mit Landhaus. Aus dem Althochdeutschen kennt man das Wort wilari und aus dem Mittelhochdeutschen das Wort wiler, die beide die Bedeutung von mehreren, abseits stehenden Gehöften haben.

Somit wäre der Weiler Hippelsbach übersetzt "die Gehöfte auf dem Wald - oder Buschhügel", und durch die Tatsache, dass ein Weiler immer aus mehreren Gehöften besteht, ist einzig und allein die Redensart: "Wir fahren uff die Hippelsbach" zu erklären.

Eine weitere Möglichkeit der Namensentstehung Hippelsbachs wäre nach den Überlegungen von Erwin Meyer und seiner "Ortsnamenforschung im Kreis Dieburg", dass der Weiler schon in der spätfränkischen Zeit entstand, etwa zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert, als die Franken das Maintal in Besitz nahmen.

Die bedeutendste Gruppe der späteren Einzelsiedlungen, so Meyer, erkenne man an der Namensbüdung mit Flurbezeichnungen, die als Grundwort die Silbe ,,bach" enthalten. Vermutlich sind dazu die Namen der ersten Ansiedler gewählt und mit ,,bach" verknüpft worden. Der Name des ersten Siedlers könnte demnach ,,Hibbilo" gewesen sein, also folglich "Hibbilobach", das sich dann im Verlaufe der Zeit in "Hepelsbach" wandelte. Wahrscheinlicher ist aber die schon beschriebene Namensentwicklung, die auch in dieser Weise von Dr. Weber vermutet wird. Denn nach wie vor fehlt jeder Hinweis auf eine Besiedlung aus jener Zeit.

von Norbert Perschbacher,
aus: "1200 Jahre Groß-Bieberau"



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